Der langsame Zweifachzucker
Milchzucker ist ein Zweifachzucker, der sich aus Glucose und Galactose zusammensetzt. Lactose schmeckt wenig süß und wird ungefähr vier Mal langsamer aufgespalten (und als Energielieferant in den Stoffwechsel eingeschleust) als Haushaltszucker.
Das Enzym Lactase spaltet die Lactose im Dünndarm in Glucose und Galactose (ein sogenannter Schleimzucker) auf. Die Glucose wird sofort als Zellnahrung genutzt, während die Galactose erst durch andere Enzyme in Glucose umgewandelt werden muss. Wie genau der Körper vorgeht, ist noch nicht vollständig geklärt. Wir wissen aber, dass die dadurch entstehende Glucose so langsam verstoffwechselt wird, dass sie keinen großen Einfluss auf den Anstieg des Blutzuckerspiegels hat. Aus diesem Grund kann Lactose als natürlicher Bestandteil in Vollfett-Milchprodukten bei einem Zuckerentzug ohne Bedenken konsumiert werden.
Galactose ist ein interessanter Zucker, der insulinunabhängig verstoffwechselt wird und eine Energiequelle für das Gehirn sein kann. Galactose kann uns dabei unterstützen, die Konzentrationsfähigkeit und die Gedächtnisleistung zu verbessern.
Achtung:
Wird die Lactose als einzelner Bestandteil in der Zutatenliste erwähnt, ist sie isoliert und wird als Süßungsmittel genutzt.
Menschliche Muttermilch hat übrigens unter den Säugetieren den höchsten Galactosegehalt (Muttermilch ca. 3,6 g/100 g, Kuhmilch ca. 2,4 g/100 g). Die Galactoseverstoffwechslung ist im Kindesalter besonders aktiv. Im Erwachsenenalter wird sie deutlich eingeschränkt.
Galactose ist ein vom menschlichen Organismus benötigter Stoff und kann von diesem auch selbst hergestellt werden. Möglicherweise haben wir deshalb früher auch nur wenige galactosehaltige Lebensmittel zu uns genommen. Erst mit Beginn der Sesshaftigkeit und der Möglichkeit, Vieh zu halten, gelangte die Galactose in unsere tägliche Ernährung.
Milchkuh auf der Weide (Quelle: Wikipedia)
Lactosefreie Milch
Für lactosefreie Milch wurde der Milch ein Enzym namens Lactase zugefügt, das die Verdauungsarbeit schon vorweggenommen hat. Menschen mit einer Lactoseunverträglichkeit haben nämlich dieses Enzym nicht und können daher Lactose nicht in Glucose und Galactose aufspalten. So kommt es zu verschiedenen Problemen nach dem Genuss von Milchprodukten.
Wenn diese Aufspaltungsarbeit aber schon übernommen wurde, schwimmen in der lactosefreien Milch freie Glucose-Moleküle, die – wie du bereits weißt – schnell ins Blut übergeben werden und, auch wenn die Galactose den schnellen Anstieg des Blutzuckerspiegels etwas mindern kann, reagieren viele Menschen nach dem Genuss von lactosefreier Milch mit erhöhtem Appetit. (Also bitte Vorsicht damit!)
Interessant: Galaktosämie – Unverträglichkeit von Galactose
Es gibt – wenige – Menschen, die durch das Fehlen von den wichtigen Enzymen unfähig sind, die Galactose umzuwandeln. Passiert das, bleibt die freie Galactose im Blutkreislauf und kann so zu verschiedenen Krankheiten führen. Häufig führt eine Ansammlung von Galaktitol in den Augenlinsen zu Linsentrübung, z.B. grauer Star.
Die Symptome der Galaktosämie sind u. a. Störungen im Nervensystem und der Feinmotorik, geistige Retardierung, Störungen oder Krebs an den Eierstöcken und Unfruchtbarkeit. Diese schweren Fälle kommen aber zum Glück sehr selten vor, jedoch gibt es in verschiedenen Studien Anzeichen dafür, dass ein Konsum von Milchprodukten die weibliche Fruchtbarkeit negativ beeinflussten könnte. Auch auf die männlichen Hoden scheint Galactose Auswirkungen zu haben.
Der derzeitige wissenschaftliche Stand in Bezug auf Galactose ist noch nicht ausreichend, um die Folgen von Milchkonsum im Erwachsenenalter richtig einschätzen zu können. Die Auswirkungen von Galactose auf die Linsentrübung ist allerdings nicht mehr umstritten.